| Moderne Subkulturen und der
kulturelle Auftrag Öffentlicher Bibliotheken
von Karsten Schuldt [Fn1]
(info)
Old School |
New School |
Subkulturforschung
| Subkulturen als Mediennutzungsgruppen
im Internetzeitalter | Aufgabenstellungen
für die bibliothekarische Arbeit |
Medienformen als Fetisch
| Literatur

Es ist für einen großen Teil der
Bevölkerung vollkommen egal, was ein Bibliothekar oder eine
Bibliothekarin selbst vom Web 2.0 hält, ob eine Bibliothek
mit einem Weblog arbeitet, ein Wiki aufsetzt oder den OPAC mit Möglichkeiten
sozialer Software anreichert oder auch nicht. Das sind bibliothekarische
Debatten, die geführt werden müssen. Doch daneben entwickelt
sich die Gesellschaft weiter. Sie differenziert sich kulturell aus.
An dieser Ausdifferenzierung hat das Internet, insbesondere seit
seinem Upgrade zum Web 2.0, seinen Anteil. Das hat Einfluss auf
die Aufgaben von Öffentlichen Bibliotheken als Einrichtungen,
die nicht einfach Medien verleihen, sondern Kultur vermitteln wollen.
Dieser Anspruch ist in den bibliothekarischen Debatten etwas in
den Hintergrund getreten, aber nicht verschwunden. Bibliotheken
wurden unter diversen Vorzeichen seit dem Bestehen der modernen
Gesellschaft immer auch als Einrichtung wahrgenommen, Menschen einen
Zugang zur Kultur zu eröffnen. Mit der Entwicklung der Bibliotheken
zu demokratischen Einrichtungen mit gesamtgesellschaftlichem Anspruch
hat sich diese Aufgabe dahingehend erweitert, dass nicht nur eine
sogenannte Hochkultur oder die Kultur des Trägers der Bibliothek
vermittelt werden soll, sondern potentiell die Gesamtheit der Kulturen
und Szenen einer Gesellschaft. Gerade dort, wo Öffentliche
Bibliotheken die einzige kulturelle Einrichtung einer Gemeinde darstellen
und ansonsten eine kulturelle Eintönigkeit vorherrscht, ist
eine solche Vermittlungsleistung auch Teil der gesamtgesellschaftlichen
Aufgabe, die Chancen zur Teilhabe an Lebensqualität nicht vom
Wohnort abhängig zu machen. Der potentielle Zugang zu allen
Subkulturen ist Teil einer Lebensqualität insbesondere junger
Menschen, die bisher vor allem für große Städte
reserviert schien und zum Beispiel dazu führte, dass es einen
anhaltenden Zuzug dieser in Großstädte gibt.[Fn2]
Doch die Entwicklung moderner Kommunikationsmittel
hat auch dies verändert. Der potentielle Zugang zu Subkulturen
wird einfacher, zugleich nimmt die Bedeutung von Subkulturen[Fn3]
beständig zu. Im Folgenden soll für
die musik-basierten Subkulturen diskutiert werden, welche Herausforderungen
auf Bibliotheken zukommen werden, wenn sie ihren Anspruch, eine
kulturelle Einrichtung zu sein, aufrechterhalten wollen.
Das Internet, genauer die Möglichkeit, relativ
unkompliziert und kostengünstig Musik und Informationen verbreiten
und finden zu können sowie virtuelle Netzwerke zu etablieren,
die elektronisch elaborierter funktionieren als herkömmliche
Internet-Foren, hat dazu geführt, dass Subkulturen virtuell
konstituiert und verbreitet werden. Bis in die 1990er Jahre entwickelten
sich Subkulturen in regionalen Zentren und verbreiteten sich von
dort aus relativ langsam. Demgegenüber entstehen sie heute
mithilfe der modernen Kommunikationsmittel auf der Basis regionaler
Gegebenheiten und werden so für Menschen aus anderen Gebieten
leicht nachvollziehbar. Diese Nachvollziehbarkeit führt dazu,
dass Subkulturen sich ohne Probleme an unterschiedlichen Orten gleichzeitig
entwickeln können, wobei sie in ihrer Ausprägung an verschiedenen
Orten jeweils den lokalen Gegebenheiten und Einflüssen ausgesetzt
sind. Ihre Realisierung außerhalb des Internets in Form von
Partys, Konzerten, Treffpunkten, kulturellen Aktivitäten und
Lebensstilen, ist aber zumeist erst der zweite Schritt. An den unterschiedlichen
Entstehungsgeschichten von HipHop und Grime lässt sich diese
Veränderung beispielhaft nachzeichnen.
Old School
HipHop entstand in den 1970er Jahren in den
ärmeren Bezirken New Yorks.[Fn4]
Zwischen 1973 und 1976 begann sich eine Form
des DJing zu entwickeln, bei der die eingesetzten Plattenspieler
als Instrumente genutzt sowie die gespielten Stücken in Samples
zerlegt und – vorerst live – wieder zusammen gesetzt
wurden.[Fn5]
Diese Technik wurde mit einer Form des Sprechgesangs, dem Rap, verbunden.
HipHop entwickelte sich in einem überschaubaren urbanen Umfeld,
welches durch starke räumliche Segregation und zahlreiche leer
stehende Häusern und Freiflächen geprägt war. Zudem
überwog bei der dort ansässigen Bevölkerung das Gefühl
einer individuellen Perspektivlosigkeit. Spätestens seit 1976
wurden die räumlichen Gegebenheiten von der HipHop-Kultur –
zumeist illegal – als Ort für Partys benutzt.[Fn6]
Während dieser Zeit verband sich die Musik mit den beiden Elementen
Breakdance und Graffiti zu einer bis in die 1990er Jahre nicht zu
trennenden Einheit, die gemeinhin als eine Subkultur wahrgenommen
und gelebt wurde.
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Come together. So wie sich die Rapmusik freimütig aus Versatzstücken
anderer Stilrichtungen bedient, hat auch die Graffitikultur
den eigenen ästhetischen Horizont der verschnörketen
Schriftzüge längst überwunden und zitiert gern
die Bildsprache anderer Kunstformen.
Die des Comics ist sicher eine naheliegende, dabei jedoch bereits
meilenweit von der Wild-Style-Orthodoxie entfernt. |
HipHop war dabei hauptsächlich eine Livekultur. Erst mit der
langsamen Etablierung erster Clubs entstanden Aufnahmen und Mixtapes.
Insbesondere diese Mixtapes – Musik-Kassetten, auf denen sich
die Crews präsentierten und welche hauptsächlich direkt
bei Konzerten verkauft wurden – prägten die HipHop-Kultur
nachhaltig. Sie machten es möglich, relativ billig ein eigenes
Medium zu verwenden, welches innerhalb der Subkultur zirkulieren
konnte.
Kolportiert wird, dass eines dieser Mixtapes von der
Soul- und R'n'B-Produzentin Silvia Robinson gehört wurde, welche
erst daraufhin die Sugarhill Gang gründete, produzierte und
damit eine neue Phase des HipHop einleitete. 1979 veröffentlichte
die Sugarhill Gang den Song „Rapper's Delight“ auf Vinyl.
Diese Platte gilt gemeinhin als erst HipHop-Platte, welche außerhalb
New Yorks beachtet wurde. Selbstverständlich gab es zu diesem
Zeitpunkt Vorwürfe, dass die Subkultur zum Mainstream gemacht
und ausverkauft würde. Seitdem hat sich HipHop weiterentwickelt.
Spätestens mit dem 1988er Album „Straight Outta Compton“
von N.W.A. aus Compton/L.A. und dem 1989er „As Nasty As They
Wanna Be“ der Two Live Crew aus Florida ist HipHop keine von
New York aus dominierte Kultur mehr. Es haben sich zahlreiche Untergenres
entwickelt, die sich seit den 1990er Jahren auch noch national ausdifferenzierten.
Die drei Kulturen HipHop, Breakdance und Graffiti entwickelten sich
auseinander und bilden heute keine Einheit mehr. Graffiti gilt als
eigenständige Subkultur, Breakdance wird kaum noch betrieben.
HipHop basierte darauf, sich in einem überschaubaren
urbanen Raum mithilfe von Partys, Mixtapes, und einer eigenen Kultur
über einen Zeitraum von rund sechs Jahren entwickeln zu können.
Die Kommunikationsstrukturen innerhalb der Szene beschränkten
sich praktisch auf drei New Yorker Stadtbezirke – Bronx, Brooklyn,
Queens – als Zentrum des HipHop und konzentrierte sich dort
auf einige feste Orte wie Plattenläden, Clubs und später
auch kleinere Studios.
New School
Während HipHop davon profitierte, sich
als Subkultur in einem begrenzten Rahmen entwickeln zu können,
entstehen die meisten Subkulturen heute auf der Basis moderner Kommunikationsstrukturen
in einem globaleren Rahmen. Grime ist dafür ein Beispiel.[Fn7]
Diese Musik entstand etwa 2002 in London als
Mischung aus härterem HipHop, Dancehall und Drum'n'Bass, mit
einem stark punkigen Einfluss.
Mitsamt der dazugehörigen Subkultur verbreitete sich Grime
innerhalb weniger Monate über mehrere britische und andere
europäische Städte. Spätestens seit 2005 kann man
von einer eigenständigen Berliner Szene reden, die 2006 auf
andere deutsche Städte übergriff und ab 2007 einen eigenständigen
Berliner Sound etablierte, welcher die elektronischen Elemente des
Grime stark betonte. Dabei gab es schon seit der Etablierung der
Berliner Grime-Szene bedeutende Unterschiede zu anderen Szenen,
insbesondere der in London. Auffällig wurde dies am positiven
Bezug auf die stark schwul/lesbisch-geprägte Clubszene in Berlin.
Die Londoner Szene hingegen hielt einen gewissen Abstand von dieser
Clubszene und orientierte sich eher am Dancehall und HipHop und
den dort akzentuierten maskulinen Diskursen und zumindest zum Teil
auch homophoben Einstellungen.
Grime war eine der ersten Subkulturen, die zu
einem großen Teil über das Internet möglich wurde.
Sowohl die Promotion als auch die Kommunikation der entstehenden
Subkultur fand hauptsächlich auf MySpace.com, in Weblogs und
auf dem Black-Music-Sender BBC1Xtra, der selbstverständlich
im Internet gestreamt wird, statt.[Fn8]
Geprägt war die Wachstumsphase von 2002 bis 2006
davon, dass immer zahlreichere Musiker und Musikerinnen anfingen,
eigene Tracks über ihre persönlichen Homepages und Profile
bei MySpace.com zu verbreiten. Gleichzeitig fand sich in Londoner
Clubs die Szene auf betreffenden Partys zusammen. Wichtig für
den Erfolg wurde neben der Fähigkeit, sich auf der Bühne
und bei den szeneinternen Streitigkeiten durchzusetzen, die eigene
Internetpräsenz. Neben einzelnen Tracks wurden Mixtapes zum
Ausdruck der künstlerischen Produktivität. Bedeutsam für
den Status in der Szene waren die Diskussionen um diese Mixtapes
und Tracks. Auf ihnen präsentierten sich die Künstlerin,
der Künstler und die Künstlernetzwerke, gleichzeitig wurden
über diese Tapes und Live-Auftritte die Auseinandersetzungen
innerhalb der Szene ausgetragen.
Obwohl eigentlich wie beim HipHop für einen
lokalen Zusammenhang – hauptsächlich London – hergestellt
und dort teilweise in einigen Plattenläden verkauft, wurden
diese Mixtapes als digitale Medien virtuell global verfügbar.
Es bildete sich ein Netzwerk aus Verweisen und Bezugnahmen, welches
über die lokalen Zusammenhänge hinausreichte. So partizipierten
Menschen mit eigenen Tracks oder Diskussionsbeiträgen, bevor
auch nur eine Grime-Party in ihrem Lebensumfeld stattgefunden hatte.
Obwohl dieses Netzwerk quasi von Beginn an von drei MCs –
Wiley, Dizzee Rascal und Kano – und einer Crew – Roll
Deep – dominiert wurde, war es offen genug für zahlreiche
weitere Partizipierende. Die prinzipielle Offenheit ermöglichte
es zudem, dass sich in anderen Städten Szenen bilden konnten,
welche sich auf dieses virtuelle Netzwerk bezogen.
Die Fixierung auf das Internet führte so weit, dass Partys
nur noch zweitrangig mit gedruckten Medien beworben und stattdessen
Ankündigungen in Blogs zum wichtigsten Promotionsmedium wurden.[Fn9]
Subkulturforschung
Szenen und Subkulturen, die in diesem Text
als synonym verstanden werden, wurden lange Zeit in der Öffentlichkeit
und Forschung hauptsächlich als Gefahr, Ergebnis von Individualisierungs-
bzw. Atomisierungsprozessen und als anti-gesellschaftliche Abgrenzungen
verstanden, obwohl sich immer wieder zu einzelnen Szenen auch positive
Bezüge fanden. Insbesondere im Anschluss an Ulrich Becks Darstellung
der zeitgenössischen Gesellschaft als reflexive Moderne begreift
zumindest die deutschsprachige Forschung Subkulturen hingegen heute
vorrangig als Ort der Vergemeinschaftung in einer Gesellschaft,
in welcher zahlreiche strukturelle Gegebenheiten unsicher und moralische
Vorgaben größerer Gemeinschaften bestreitbar und teilweise
auch obsolet geworden sind.[Fn10]
Subkulturen bieten eine temporäre und nicht exklusive Gemeinschaft,
in der Mitbestimmung geübt, individuelle Identitäten ausgeprägt
und soziale Praxen erproben werden können. Zudem vermitteln
sie den Partizipierenden Sinnangebote und die Möglichkeit,
Kompetenzen in der teil-autonom organisierten Freizeitgestaltung
zu erwerben. Allerdings ist die Szeneforschung in Deutschland ein
relativ marginales Feld sozialwissenschaftlicher, pädagogischer
und ethnographischer Forschungen.[Fn11]
Mit ihrer Studie „Leben in Szenen“ legten Hitzler, Bucher
und Niederbacher (2005) einen ersten umfassenden Systematisierungsversuch
vor. Sie gehen davon aus, dass sich Szenen beschreiben lassen als
[t]hematisch fokussierte kulturelle Netzwerke
von Personen, die bestimmte materiale und/oder mentale Formen
der kollektiven Selbststilisierung teilen und Gemeinsamkeiten
an typischen Orten und zu typischen Zeiten interaktiv stabilisieren
und weiterentwickeln.[Fn12]
Diese Szene beschreiben sie anhand von zwölf
Thesen, welche seitdem als Grundannahmen der Szeneforschung gelten
können:[Fn13]
- Szenen sind Gesinnungsgemeinschaften.
- Szenen sind thematisch fokussierte soziale Netzwerke.
- Szenen sind kommunikative und interaktive
Teilzeit-Gesellungsformen. Sie werden also in kommunikativen Prozessen
erst hergestellt und erheben gleichzeitig nur selten den Anspruch,
dass Leben eines Mitglieds vollständig zu strukturieren.
Das unterscheidet sie beispielsweise von radikalen religiösen
oder auch früheren politischen Gemeinschaften[Fn14],
die ihren moralischen Anspruch total durchsetzen wollen oder wollten.
- Szenen dienen der sozialen Verortung.
- Szenen haben ihre je eigene Kultur. Diese
Kultur bilde sich anhand eines „Wissen[s] von den 'richtigen'
Verhaltensweisen, Attributierungen, Codes, Signalen, Emblemen,
Zeremonien, Attitüden, Wissensbeständen, Relevanzen,
Fertigkeiten usw.“[Fn15]
und einer Aneignung dieses Wissens aus.
- Szenen sind labile Gebilde. Man kann sie jederzeit
wieder verlassen, da es keine Möglichkeit gibt, Ein- und
Austritte zu sanktionieren.
- Szenen haben typische Treffpunkte. Bei Hitzler,
Bucher und Niederbacher werden diese Treffpunkte noch ausschließlich
als reale Orte verstanden. Dies hat unter anderem damit zu tun,
dass ihre Forschungen – die erste Auflage ihrer Studie erschien
2001 – zu einer Zeit unternommen wurden, in der das Internet
zwar den Zugang zu Informationen ermöglichte, aber die Etablierung
sozialer Netzwerke und Verarbeitung solch großer Datenmengen,
wie dies im Web 2.0 möglich ist, weit schwieriger war. Die
Idee, ein virtuelles Netzwerk zu etablieren, auf der die Nutzerinnen
und Nutzer umfangreiche Profile anlegen, untereinander kommunizieren
und dabei Musikfiles in Audioqualität oder gar Videos hinterlegen
können, die beim Aufruf automatisch gespielt werden, war
damals wegen der noch langsamen Datenleitungen eine utopische
Vorstellung. Heute ist dies bei MySpace.com und anderen sozialen
Netzwerken Standard, so dass virtuelle Treffpunkte möglich
sind.[Fn16]
- Szenen sind Netzwerke von Gruppen. Es wäre
beispielsweise falsch, eine Gruppe von Skatern eines Ortes als
vollständige Szene zu bestimmen.[Fn17]
Diese Gruppe steht immer im Kontakt mit anderen Gruppen, welche
derselben Szene angehören. Gleichzeitig wäre es auch
falsch, diese Szene als monolithisch wahrzunehmen. Subkulturen
sind durchgehend intern differenziert, obwohl die Auseinandersetzungen
und Abgrenzungen für Außenstehende häufig nicht
nachvollziehbar sind.
- Szenen sind vororganisierte Erfahrungsräume.
Sie sind alle von szenetypischen Events geprägt, welche zumindest
als eine Aufgabe die Herstellung und Aktualisierung eines Wir-Gefühls
haben.
- Szenen strukturieren sich um Organisationseliten.
Diese Elitenfunktion bezieht sich immer auf die jeweilige Szene.
Hitzler, Bucher und Niederbacher differenzieren Szenen in den
Szenekern (Organisationselite), Friends / Heavy-User und 'Normale'?
Szenegänger. [Fn18]
- Szenen sind dynamisch.
- Szenen liegen quer zu bisherigen Gesellungsformen
und großen gesellschaftlichen Institutionen. Insbesondere
diese These hat Kritik erfahren, da Szenen zwar theoretisch offen
sind, sich jedoch meist in Verbindung mit Gesellungsformen –
also Klassen und Schichten – konstituieren. Wenn auch die
Durchlässigkeit höher ist und in einer Szene Menschen
aus unterschiedlichen Schichten zusammenkommen können, sind
sie zumeist von einer Schicht geprägt. Die Zugehörigkeit
ist oft von der Verfügbarkeit über ökonomische
Mittel, von einem bestimmten Bildungshintergrund oder Habitus
abhängig. Gleichwohl propagieren die meisten Szenen den utopischen
Anspruch einer voraussetzungslosen Zugänglichkeit.
Subkulturen als Mediennutzungsgruppen
im Internetzeitalter
Subkulturen in ihrer heutigen Bedeutung als
mehr oder minder akzeptierte soziale Zusammenhänge sind spätestens
seit der Mitte des 20. Jahrhunderts Bestandteil westlicher Gesellschaften.[Fn19]
Gibt es deshalb überhaupt einen Grund für
Bibliotheken, sich mit den aktuellen Veränderungen bei der
Verbreitung und Konstitution von Subkulturen zu befassen? Selbstverständlich,
immerhin stellen Bibliotheken Medien zur Verfügung und haben
einen kulturellen Auftrag. Medien entstehen nicht kontextlos und
werden auch nicht kontextlos rezipiert, sondern sind Ausdruck und
Gegenstand kultureller Prozesse.
In Zeiten der sich beständig ausdifferenzierenden
Gesellschaft bedeutet Kultur vor allem eine wachsende Anzahl von
Subkulturen. Sich als Bibliothek mit diesen Subkulturen auseinander
zu setzen, bedeutet erstens nachzuvollziehen, welche Subkulturen
bestehen und sich entwickeln und zweitens einen Zugang zu den von
Subkulturen produzierten Medien zu ermöglichen. Hinzu kommt,
dass die Grenzen zwischen Subkulturen und Mainstream immer durchlässiger
werden. Nicht nur haben einzelne Acts, die im Mainstream erfolgreich
sind, heute mehr Einfluss auf Subkulturen, als dies zu Zeiten einer
scheinbar radikalen Trennung von Underground und Mainstream der
Fall war. Zudem werden in immer kürzeren Abschnitten Tracks,
die eigentlich für eine Subkultur produziert wurden, vom Mainstream
aufgenommen und zu veritablen Hits.[Fn20]
Ein Grund dafür ist der aktuell stattfindende Zusammenbruch
des herkömmlichen Geschäftsmodells der Musikindustrie,
welches hauptsächlich auf dem Verkauf von Medien basierte und
die Liveauftritte von Künstlerinnen und Künstlern als
Nebengeschäft führte.
Dies hat sich in den letzten Jahren gedreht: Musikmedien produzieren
immer weniger Gewinn und gelten teilweise nur noch als Promotionsprodukt,
hingegen steigt die Bedeutung der Liveauftritte.[Fn21]
Diese Situation eröffnet Künstlerinnen und Künstlern
mit großer Bühnenausstrahlung neue Chancen, während
reine Studiomusiker und -musikerinnen ins Hintertreffen geraten.
Man könnte argumentieren, dass eine Auseinandersetzung
mit Subkulturen durch die Bestände an Tonträgern und Jugendzeitschriften
in Bibliotheken bereits passieren würde, insbesondere dort,
wo Jugendliche in die Auswahl der Medien einbezogen werden.[Fn22]
Das ist nicht ganz falsch. Allerdings ist die Veröffentlichung
der ersten Alben im offiziellen Tonträgerhandel heute nicht
mehr der Beginn einer Subkultur. Konnten noch vor einigen Jahren
Subkulturen als sich gerade über einen lokalen Rahmen hinaus
etablierend gelten, wenn aus ihnen Medien produziert und diese auch
von einem größeren Publikum konsumiert wurden, markiert
heutzutage die Veröffentlichung solcher ersten Alben eher das
Ende der ersten Phase einer Subkultur. Während die ersten kommerziell
erfolgreichen Alben des HipHop ab 1979 den Auftakt der Verbreitung
dieser Subkultur über New York hinaus bedeuteten, fand die
Veröffentlichung der ersten kommerziell beachteten Alben des
Grime ab 2007 – „Public Warning“ von Miss Sovereign,
„Maths and English“ von Dizzee Rascal, „Playtime's
over“ von Wiley und „London Town“ von Kano –
in einer Phase statt, in der sich Grime als Subkultur in vielen
Städten soweit etabliert hatte, dass es schon zu szeneinternen
Differenzierungen kam und in der das erste Mal innerhalb der Szene
von einem endgültigen Ende der Subkultur die Rede war.
Subkulturen sind heute potentiell einfacher
nachzuvollziehen, zumindest deren kulturelle Produkte und Debatten
sind virtuell für alle erreichbar. Das war nicht immer so.
In Zeiten, als die wichtigsten Mixtapes aus anderen Städten
nur erworben werden konnten, wenn Kontakte zu jemand bestanden,
der oder die dort an der jeweiligen Szene partizipierte und diese
Medien erwerben und weitergeben konnte, gehörte dieser Wettlauf
nach Originaldokumenten zu jeder Subkultur dazu. Das ist bei Subkulturen,
die in der ersten Welt entstehen, nicht mehr nötig. Sicherlich
lässt sich das spezifische Flair des Entstehungsortes einer
Musik nicht vollständig transportieren. Deswegen werden weiterhin
Menschen beispielsweise Seattle als Zentrum des Grunge besuchen[Fn23],
andere werden in New York die letzten Originalplätze des frühen
HipHop besichtigen. Bei einigen subkulturell bedeutsamen Orten an
den Rändern der ersten Welt, wie Jamaika für Reggae und
seine Abarten oder Sao Paulo und Rio de Janeiro für den Favela-Funk,
ist es heute noch relativ wichtig, in dortigen Plattenläden
nach verborgenen Schätzen zu suchen. Große Teile der
dort produzierten Musik liegen nicht digital vor oder erreichen
den europäischen und nordamerikanischen Markt nicht. Von diesen
Fällen abgesehen gibt es heute keine logische Grenze mehr beim
Zugriff auf subkulturelle Produkte und deshalb auch keinen Grund,
dass Bibliotheken nicht auch den Zugang zu diesen ermöglichen
sollten.
Daneben ergibt sich aus der digitalen Verbreitung
subkultureller Produkte eine neue Anforderung an den Sammelauftrag
von Bibliotheken. Es ist nicht einzusehen, warum Medienformen, welche
den Medien- und Kommunikationsalltag eines relevanten Teils der
Bevölkerung prägen, nicht von Bibliotheken in ihrem Bestand
abgebildet werden sollten. Diese Medien werden allerdings, obwohl
sie für die Entwicklung der Gesellschaft relevant sind und
ihre Erwerbung relativ kostengünstig möglich wäre,
bei der Bestandsentwicklung zumeist ignoriert. Abgesehen davon ist
der Anspruch von Bibliotheken, zur Ausprägung von Medienkompetenz
beitragen zu können, nicht haltbar, wenn die reale Nutzung
von Medien durch die Bevölkerung nicht im Bestand und der Arbeit
des Personals reflektiert wird. Nicht zuletzt sind Subkulturen immer
auch Vorreiter kultureller Veränderungen. Man kann davon ausgehen,
dass deren Nutzung von Medien mit einer gewissen Verzögerung
Einfluss auf die allgemeine Mediennutzung hat und dass ein Nachvollziehen
dieser Praktiken Hinweise darauf geben kann, mit welchen Ansprüchen
und Kompetenzen ein wachsender Teil potentieller Nutzerinnen und
Nutzer zukünftig an Bibliotheken herantreten wird.
Dies bedeutet, dass die bisherige Praxis Öffentlicher
Bibliotheken, vor allem kommerziell erfolgreiche Alben zu erwerben,
nicht mehr ausreicht. Diese bilden – falls sie dies überhaupt
je taten – nicht mehr die Entwicklung der Subkulturen ab.
Teilweise lässt sich dies mit der Entwicklung im Rahmen wissenschaftlicher
Publikationen parallelisieren. Bekanntlich hat sich in der Physik
die Bedeutung von Veröffentlichungen in Zeitschriften in den
letzten Jahren rasant geändert. Die Publikation von Forschungsergebnissen
als Preprint ist in diesem Fach die bevorzugte Form der wissenschaftlichen
Kommunikation und die Veröffentlichung in Zeitschriften eine
nachträgliche Anerkennung von Bestleistungen. Eine wissenschaftliche
Bibliothek, welche keinen Zugang zu relevanten Preprint-Servern
ermöglicht, sondern nur physikalische Zeitschriften halten
würde, könnte deshalb keine wissenschaftliche Diskussion
abbilden, sondern nur noch Endergebnisse physikalischer Debatten.
Dies würde die Bibliothek als Infrastruktur gebende Institution
für die wissenschaftliche Arbeit überflüssig machen.
Ähnliches gilt in Bezug auf Subkulturen für Öffentliche
Bibliotheken, die einzig erfolgreiche Alben in ihren Medienbestand
aufnehmen. Sie würden die Ergebnisse von Subkulturen dokumentieren,
wenn diese zumeist als eigenständige Szenen längst untergegangen
sind.
Die Parallele lässt sich weiter verfolgen. Physikerinnen und
Physiker werden sich auch ohne Bibliotheken einen Zugang zu Preprint-Servern
verschaffen, wenn sie diesen benötigen. Ebenso werden sich
Menschen, die ein Interesse an einer Subkultur haben, sich ihren
Zugang zu dieser ohne Bibliotheken verschaffen. Dies macht oft gerade
den Reiz der Zugehörigkeit zu einer Szene aus: Einer Subkultur
anzugehören, heißt letztlich immer über einen abrufbereiten,
feldspezifischen Wissensschatz zu verfügen, der Menschen außerhalb
der Subkultur nicht zugänglich ist.[Fn24]
Bibliotheken sollten es als ihre Aufgabe verstehen, ein solches
Wissen Menschen zu Verfügung zu stellen, die sich für
eine spezifische Subkultur interessieren oder von einem solchen
Wissen profitieren können, ohne schon Mitglied dieser Szene
zu sein oder es jemals werden zu wollen.
Je kulturell eintöniger das Einzugsgebiet einer
Bibliothek, umso mehr müsste sie diese Aufgabe erfüllen.
In Berlin, Hamburg oder Frankfurt am Main werden sich Menschen mit
einiger Anstrengung selber den Zugang zu unterschiedlichen Subkulturen
und dem dazugehörigen Wissen verschaffen können. Außerhalb
dieser subkulturellen Zentren wird dies schon schwerer, obwohl paradoxerweise
ein Großteil dieses Wissens im Internet verfügbar ist.
Für das Entdecken von Subkulturen bedarf es eines Anstoßes
und bei vielen Menschen auch einer ersten Einführung in die
szenespezifischen Strukturen und Wissensbestände. Zu den Zeiten,
in denen die meisten Subkulturen erst wirklich relevant wurden,
als die ersten kommerziell erfolgreichen Alben erschienen, war dies
weit einfacher zu bewerkstelligen, beispielsweise über den
Konsum von Jugend- und Popmusikzeitschriften.
Anders und kürzer ausgedrückt: Jugendliche
außerhalb der Städte müssen die Möglichkeit
erhalten, aus der oft vorherrschenden kulturellen Einseitigkeit
auszusteigen. Dies werden nur Wenige eigenständig unternehmen
können. Bibliotheken müssten in der Lage sein, vor allem
den restlichen Jugendlichen den Weg zu einer Anzahl von Subkulturen
zu ermöglichen.
Aufgabenstellungen für die
bibliothekarische Arbeit
Martina Claus-Bachmann beschäftigte sich
in ihrer empirisch angelegten Studie über die musikkulturelle
Erfahrungswelt Jugendlicher mit den Aufgaben, die sich aus modernen
Subkulturen für Schulen, insbesondere für den Musikunterricht,
ergeben. Sie kommt dabei zu einer Einschätzung, welche sich
grundsätzlich auf Bibliotheken übertragen lässt:
Wenn Schule mehr sein soll
als eine unvermeidbar abzuhakende Zertifikationsanstalt zur weiterführenden
Ausbildung, wenn Schule wirklich Lebens-, Erfahrungsraum und Entfaltungssphäre
bieten soll, dann muss sie sich den gesellschaftlichen Realitäten
des Pluralismus und der Multikulturalität mit all ihren Facetten,
den unbequemen und den interessanten öffnen, muss ein neues
flexibles Instrumentarium im Umgang mit Fremdem, Andersartigem
nicht nur im Hinblick auf vordergründige Fremdheit entwickeln.[Fn25]
Abschließend leitet sie aus ihrer intensiven Beschäftigung
mit der jugendlichen Rezeption subkultureller Angeboten folgende
pädagogischen Ziele ab:[Fn26]
- Gewinn und Förderung von Gestaltungskompetenz
für die eigene Identitätskonstruktion der Jugendlichen.
- Respekt vor der Identitätskonstruktion
des Anderen.
- Bewusstsein für die Notwendigkeit friedlicher
Koexistenz kultureller Systeme.
Die Beschäftigung mit Subkulturen ist nach Claus-Bachmann
also kein Selbstzweck, sondern auch ein Beitrag zu einer von individueller
Freiheit und Toleranz geprägten Gesellschaft. Allerdings stellen
sich mit der Aufgabe, wenn sie denn für Bibliotheken akzeptiert
wird, Subkulturen soweit als möglich abzubilden, größere
Probleme. Eine grundlegende Herausforderung bestünde darin,
die existierenden Subkulturen zu verfolgen. Das versuchen Bibliotheken
heute zumeist, wie weiter oben angedeutet wurde, indem sie Musikzeitschriften
aus ihrem Bestand auswerten. Problematisch ist dabei, dass diese
Zeitschriften die Entwicklungen von Subkulturen nicht zeitnah abbilden
und, wenn überhaupt, nur einen kurzen Einblick in schon relativ
etablierte Kulturen ermöglichen. Trendsetter im Bereich der
Subkulturen sind Zeitschriften, die zu abonnieren sind, schon länger
nicht mehr. Dies ist bei szeneinternen Fanzines etwas anders, jedoch
werden diese von Bibliotheken selten gesammelt.
Um den eigenen Nutzerinnen und Nutzern einen
Einblick in Subkulturen zu ermöglichen, müssen Bibliotheken
dort Informationen über Subkulturen einholen, wo diese sich
konstituieren: in der Blogosphäre, aktuell noch auf Myspace.com,
gewiss demnächst auch auf anderen Plattformen. Dabei müsste
es ebenfalls darum gehen, die jeweilige Szene und ihre Gepflogenheiten
zu kennen. Im besten Fall also, einigen szeneinternen Diskussionen
beizuwohnen und für einige Veranstaltungen beobachtend in sie
einzutauchen. Das ist schwierig, weil sich Subkulturen, wenn sie
sich außerhalb des virtuellen Raumes konstituieren, zumeist
sehr jugendlich geprägt sind und einem oder einer ab einem
bestimmten Alter das Eintauchen in die Szenen schwer fällt.[Fn27]
Erschwert wird die Sache weiterhin, wenn einem die jeweilige Musik
und Attitüde der meisten Subkulturen überhaupt nicht zusagt.
Nicht zuletzt, da jede Subkultur mit bestimmten Drogen in Zusammenhang
steht. Das Verhalten der Angehörigen einer Subkultur, ihr Habitus
und die Wirkung von Musik ist zumeist nur verständlich, wenn
man den jeweiligen Drogenkonsum – also sowohl die Wirkung
der Drogen selber als auch die spezifischen Rituale des Konsums
– mit einbezieht. Im Rahmen einer Recherche lässt sich
selbstverständlich nicht fordern, diese selbst einzunehmen,
es ist bei den meisten Substanzen zudem verboten.[Fn28]
Andererseits ist ein Zugang zu einer Subkultur notwendig,
um diese nachvollziehen zu können. Zumindest muss für
die unterschiedlichen Entwicklungen ein Interesse entwickelt werden.
Sicher ist es dafür von Vorteil, selbst Teil einer Subkultur
zu sein.
Letztlich wird man einen Geschäftsgang entwickeln müssen,
der sich auf subkulturelle Medien spezialisiert. Eine der Aufgabe
wird das Verfolgen von Subkulturen und deren Medien sein. Dies wird
eine einzelne Bibliothek niemals ausreichend leisten können,
obwohl sie es – ihrer Aufgabe entsprechend – tun sollte.
Die Lösung hierfür muss wohl in einer übergreifenden
Kooperation bestehen, was allerdings bei elektronischen Medien,
die zudem größtenteils frei verbreitet werden, relativ
einfach möglich sein sollte. Nicht zuletzt sollte für
Personal gesorgt werden, welches diese Aufgabe übernehmen kann,
was heißen wird, regelmäßig neues Personal einzustellen,
einfach weil eine Grundbegeisterung für aktuelle Subkulturen
vorhanden sein muss, wenn diese nachverfolgt werden sollen. Andere
Vorgehensweisen, bei denen für die Beobachtung von möglichst
vielen Subkulturen immer wieder das gleiche Personal eingesetzt
wurde, haben sich schon im Rahmen der Musikindustrie als ineffektiv
erwiesen.
Bei all dem wird man die reale Entwicklung der Subkulturen
nie vollkommen aktuell abbilden können. Ein Merkmal jeder sich
entwickelnden Subkultur ist es, sich so schnell zu entwickeln, dass
man ihr einen großen Zeitanteil widmen muss, um den jeweiligen
Entwicklungen direkt folgen zu können. Subkulturen sind für
ihre Angehörigen zumeist ein Hauptinhalt ihres Lebens. Allerdings
wird eine Bibliothek auch nie als grundlegendes Repository für
die Elite einer Subkultur dienen. Jede Subkultur bildet eigene Einrichtungen
und Informationsinfrastrukturen aus, eine Bibliothek wird hingegen
immer als eine Einrichtung wahrgenommen werden, die einer anderen
Sphäre angehört. Die Elite einer Subkultur kann deshalb
nicht das Ziel bibliothekarischer Arbeit sein, sondern hauptsächlich
diejenigen Menschen, welche sich für Subkulturen interessieren,
ohne fester Teil einer Szene zu sein. Diese Menschen werden unter
Umständen später selber Teil der jeweiligen Subkultur
werden. Vielleicht werden sie diese aufgrund der Medien, die sie
in Bibliotheken finden, auch selber vor Ort aufbauen können.
Zumindest könnten sie die Möglichkeit erhalten, ein ausreichendes
bibliothekarisches Angebot vorausgesetzt, eine selbst bestimmte
kulturelle Identität auszuprägen.
In diesem Artikel wurde bislang vorrangig von
elektronischen Medien gesprochen. Dies ist stark vereinheitlichend.
Es handelt sich dabei nicht nur um Audiodateien in unterschiedlichen
Formaten und Größen, sondern auch um Profile bei verschiedenen
Webportalen, ganze Weblogs und Homepages, Graphiken, Logos, Flyer
und Fanzines im PDF-, HTML- oder Flash-Format. Zumal gerade die
Audiodateien sich inhaltlich je nach Subkultur weiter differenzieren.
Gerade in Subkulturen, in denen Mixtapes und Remixe eine große
Rolle spielen – etwa die gesamte elektronische Tanzmusik,
HipHop, Grime, Dancehall – ist nicht nur das einzelne Medium,
also der eine Track, von Bedeutung. Wichtiger ist meist, wer wen
wie und warum mixt oder inhaltlich aufgreift. Ist es ein Remix,
der Respekt bezeugen soll? Soll er jemand angreifen? Und wenn ja,
wer soll angegriffen werden: der Originaltrack? Der Künstler,
die Künstlerin? Ein anderer Remix? Oder ist der Mix dazu da,
dass Können des Remixenden zu beweisen? Das Problem ist aus
der Bibliometrie bei der Bestimmung und Wertung unterschiedlicher
Zitationsgründe in wissenschaftlichen Texten bekannt. Notwendig
ist zudem die Entwicklung technischer Lösungen, um diese Medien
zu sammeln, zu erschließen und zu verleihen.[
Fn29]
 |
Die da sind's. Oder nicht?
Wenn man nicht in mittendrin steckt, ist es mitunter nicht ganz
einfach, die Codes und Verhaltensweisen der jeweiligen Subkulturen
adäquat zu entschlüsseln. Auch wenn Bibliotheken dies
nicht immer ganz auf Augenhöhe vermögen, so können
sie doch wenigstens mögliche mediale Zugangspunkte berücksichtigen. |
Subkulturen konstituieren sich immer durch eine
jeweils szenespezifische Aneignung unterschiedlicher Medienformen
im Sinne von kulturellen Artefakten, nicht nur als Auseinandersetzung
mit einzelnen Informationen. Auch deshalb ist es falsch anzunehmen,
eine Subkultur mit einem Bestand an populären Medien dieser
Subkultur schon abgebildet und verständlich gemacht zu haben.
Wer eine Subkultur nachvollziehen und dokumentieren will, wird sich
dem Problem stellen müssen, szeneinterne Zusammenhänge
und Verweise, die über Medien vermittelt werden, abzubilden.
Nicht zuletzt müssen rechtliche Probleme
geklärt werden. Subkulturen setzen sich in der Regel über
das Copyright hinweg. Dies ist der einzige Weg, die Kreativität
einer Subkultur überhaupt zu ermöglichen. Teilweise wird
die kreative Mediennutzung sogar zu einem Definitionsmerkmal von
Szenen und erfährt beispielsweise in der Fan-Art, die sich
letztlich auch beständig über das Copyright hinwegsetzt,
große Beachtung.[Fn30]
Mixe entstehen zumeist, indem bedenkenlos Originalstücke verwendet
werden, ohne das zuvor die Rechte eingeholt würden. Dieses
Vorgehen ermöglicht, dass Mixe relativ schnell und kostengünstig
entstehen können und ist innerhalb einer Subkultur oft akzeptiert.
Zudem wird in allen musik-basierten Subkulturen Musik Anderer bei
Liveauftritten verwendet. Dies ist Teil der Konstitution und Selbstvergewisserung
einer Szene. Allerdings wird dies nicht für Bibliotheken möglich
sein.
Hinzu kommt die Angewohnheit von Szeneangehörigen, sich Musik,
die in Deutschland noch nicht veröffentlicht ist, anderswo
aber schon, herunterzuladen. Dies ist nachzuvollziehen, da der Zugang
zur jeweils neuesten Medienproduktion für die Entwicklung von
Subkulturen notwendig ist. Rechtlich findet dieses Vorgehen in einer
Grauzone statt, da letztlich bis zu einer Veröffentlichung
in Deutschland niemand durch dieses Herunterladen geschädigt
wird.[Fn31]
Ob und in welcher Form Bibliotheken dies ebenfalls tun dürfen
und sollten, scheint noch geklärt werden zu müssen.
Medienformen als Fetisch
Subkulturen zeichnen sich durch einen spezifischen
Mix von präferierten Medienformen aus. Welche Medienform bevorzugt
wird, ist in den Subkulturen unterschiedlich, doch in jeder sind
bestimmte Medienformen akzeptiert und werden andere tendenziell
abgelehnt. Falls Bibliotheken die Aufgabe übernehmen sollen
oder wollen, Subkulturen abzubilden, müssen sie diese Präferenzen
bei der Bestandsentwicklung reflektieren.
Für musik-basierte Subkulturen heißt dies, dass die Konzentration
auf CDs, die in den meisten Beständen von Bibliotheken heute
vorherrschen, kontraproduktiv ist. Diese Medium hat seine Vormachtstellung,
die es in den 1990er Jahren erlangt hatte, längst verloren.
Ein überwiegender Anteil der Musik wird heute elektronisch
verbreitet und genutzt, auch von den Nutzerinnen und Nutzern von
Bibliotheken. Ob, und wenn ja, wie Bibliotheken sich auf diesen
Medienwandel einstellen können, wird nur selten thematisiert.
Daneben nimmt allerdings die Bedeutung von Vinyl-Platten wieder
zu, obwohl diese im Bereich der Popmusik kaum noch in Bibliotheken
vorhanden sind. In den 1990er Jahre schien es, als ob Vinyl keine
Rolle mehr spielen würde. Zwar gab es immer Subkulturen, die
von DJs und DJanes geprägt waren, welche hauptsächlich
Vinyl auflegten. Doch schien dies nur eine temporäre Erscheinung.
Die Entwicklung war jedoch eine andere. Heute werden Schallplatten
in einer weit besseren mechanischen Qualität als in den späten
1980er Jahren hergestellt und in großer Zahl verkauft. In
einigen Musikbereichen haben die Verkaufszahlen von Vinyl die Verkaufzahlen
der CDs überstiegen. Szenen, die sich erst langsam den CDs
geöffnet hatten, haben diese praktisch schon wieder ausgeschlossen.
Wieso das so ist, ist eine interessante Frage, die hier nicht beantwortet
werden kann. Unter Umständen hat es damit zu tun, dass Vinyl
als Fetisch weit mehr taugt, als eine CD. Dies ist parallelisierbar
mit Büchern, die extra schwer produziert werden, um im Buchhandel
und dem Buchregal den Eindruck zu vermitteln, inhaltlich wertvoll
zu sein. Ein anderer Grund könnte im Erfolg von Musik aus karibischen
Ländern liegen.[Fn32]
In diesen Ländern hat sich die CD nicht so durchgesetzt, wie
dies in der ersten Welt der Fall war, sondern stand und steht beständig
mit Vinyl in Konkurrenz.
Es gibt zudem eine wachsende Zahl von ernstzunehmenden Vorhersagen,
die davon ausgehen, dass die nächsten großen kulturellen
Trends aus Afrika kommen werden. Kwaito hatte vor einigen Jahren
schon einmal ein nicht nachhaltiges Hoch in Europa und Nordamerika.
Allerdings kommt Kwaito zumeist aus Südafrika, dem reichsten
und am stärksten europäisch geprägten Staat Afrikas.
Dort sind CDs relativ weit verbreitet.[Fn33]
Erwartet wird allerdings, dass Musik aus anderen afrikanischen Staaten
demnächst in Europa eigenständige Subkulturen motivieren
könnte, ähnlich wie es Dancehall und Soca in den letzten
Jahren getan haben. Im Zuge einer solchen Etablierung wird mit großer
Wahrscheinlichkeit neben Vinyl auch die Musikkassette wieder zu
einem wichtigen Medium werden. Kassetten stellen in Afrika, angesichts
der dortigen schlechten Internetinfrastruktur, weiterhin das zuverlässigste
und billigste Medium für die Musikverbreitung stellen.
Digitale Musikfiles, Online-Portale, gedruckte und nicht gedruckte
Fanzines, Vinyl, Musikkassetten und CDs – auf diese Medienvielfalt
werden sich Bibliotheken wieder einstellen müssen, da dies
der Medienmix sein wird, mit dem die zukünftigen potentiellen
Nutzerinnen und Nutzer von Bibliotheken leben werden.
Literatur
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kommt gleich e'n Bauer: Jugendkulturelle Praxen in ländlichen
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ist nicht „3 Tage wach“. In: De:bug, 123/Juni 2008,
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Toop, David (2000) Rap attack 3. African rap to global
hip hop. London: Serpent's Tail
Fußnoten
[Fn 1] Ich
danke Evelyn Rahm für die intensive kritische Lektüre
früherer Versionen dieses Textes. (zurück)
[Fn
2] Um nicht falsch verstanden zu
werden: auch außerhalb von Städten finden sich Subkulturen,
zudem schaffen sich gerade Jugendliche aus Dörfern und kleineren
Städten sehr schnell Möglichkeiten, Angebote außerhalb
ihrer Wohnorte, insbesondere in den nächsten größeren
Städten, zu erschließen. Allgemein scheint die Mobilität
der ländlichen Jugend weit größer zu sein und einen
größeren Raum zu umfassen, als die Mobilität der
städtischen Jugend. Gleichwohl ist der ländliche Raum
zumeist kulturell einheitlicher und der Druck, einer spezifischen
Lebensvorstellung zu folgen, allgemein stärker als in Großstädten.
Vgl. zum subkulturellen Leben im ländlichen Raum Binder (2001).
(zurück)
[Fn
3] Diese Subkulturen sind nach
einer Formulierung von Hitzler / Bucher / Niederbacher (2005) thematisch
auf eine Musikrichtung fokussiert. Dies muss nicht unbedingt so
sein: Sportarten, politisches Engagement, Interesse für Science
Fiction oder andere Freizeitbeschäftigungen können ebenso
im Fokus von Subkulturen stehen. Das Interessante ist gegenwärtig,
dass es einerseits mehr Subkulturen zu geben scheint, die nebeneinander
existieren und dass andererseits diese Subkulturen nicht mehr mit
einem unbedingten Absolutheitsanspruch verbunden sind. Heute ist
es, weit mehr als früher, einfacher an mehreren Subkulturen
zu partizipieren. Parallel dazu lösen sich Verbindungen von
Subkulturen, die lange als selbstverständlich angesehen wurden
– beispielsweise zwischen antifaschistischer Jugendkultur
und Punk oder zwischen HipHop, Graffiti und Breakdance – auf.
Vgl. zur Bedeutung von Musik für die Identitätskonstruktionen
Jugendlicher und die Tendenz zu patchworkartigen Rezeptionen subkultureller
Angebote Claus-Bachmann (2005). (zurück)
[Fn
4] Zur Geschichte des HipHop sind zahllose Werke entstanden. Stilbildend
ist dabei David Toop mit seinem beständig aktualisiertem Werk
„Rap Attack“. Vgl. Toop (2000). Einen gewissen Gegenentwurf,
welcher HipHop als Ergebnis der us-amerikanischen Einwanderungsgesellschaft
beschreibt und nicht, wie sonst, als vorrangig „schwarze Musik“
bieten Jeff Chang und Kool DJ Herc (2006), welche den hispanischen
und karibischen Einfluss hervorheben.
(zurück)
[Fn
5] Dies passierte zeitgleich auch in Detroit, wo in dieser Zeit
die Grundlage für elektronische Clubmusik gelegt wurde. (zurück)
[Fn
6] Der Film Block Party (2005) von Dave Chappel versucht
eine solche Party zu reinszenieren. Das Ergebnis kann einen Eindruck
von der Stimmung solcher Partys vermitteln, obwohl selbstverständlich
das Gefühl, einer jungen und modernen Subkultur anzugehören,
mit einer Reinszenierung nicht überliefert werden kann, zumal
HipHop eine der einflussreichsten Richtungen der populären
Musik geworden ist. (zurück)
[Fn
7] Zu Grime siehe umfassender De:bug (2006), das Wiki
http://www.grimepedia.co.uk/
und für die Berliner Szene das Weblog http://www.grimetime.de
(zurück)
[Fn
8] Vgl. http://www.bbc.co.uk/1xtra/.
Hinzu kam relativ schnell eine negative Berichterstattung der britischen
Yellow-Press, die in Deutschland und anderen Staaten überhaupt
keinen Gegenpart hatte. (zurück)
[Fn
9] Ein Effekt dieser Internetfixierung
ist, dass heute Teile der Musik von Menschen, die nur eine Zeit
lang selber aktiv waren, nicht mehr erreichbar sind, ohne dass diese
irgendwo dokumentiert wurde. Diese Daten, also vor allem die Musik
und die Debatten aus der Entstehungszeit des Grime, sind höchstwahrscheinlich
nicht mehr zu rekonstruieren. (zurück)
[Fn
10] Das heißt nicht, dass es nicht auch heute Teile der Öffentlichkeit
gibt, die Subkulturen vor allem als Bedrohung wahrnehmen. Binder
(2001) zitiert in ihrer ethnographischen Studie zur Jugend auf dem
Land Vertreter einer Dorfgemeinschaft, die solche Haltungen sehr
radikal und gegen alle empirischen Fakten, die ein anderes Bild
zeichnen, vertreten. (zurück)
[Fn
11] Bedeutsam sind zu diesem Themengebiet
die aktuelleren Ausgaben der Shell Jugendstudien: Hurrelmann / Albert
/ TNS infratest (2006), Hurrelmann / Albert / Infratest (2002),
Fischer et al. (2000). (zurück)
[Fn12]
Hitzler / Bucher / Niederbacher (2005), S. 20. (zurück)
[Fn
13] Hitzler / Bucher / Niederbacher
(2005), S. 19-30. (zurück)
[Fn 14]
Ältere politische Bewegungen
heißt hier die politischen Bewegungen bis mindestens in die
früheren 1930er Jahre, die neben der jeweiligen Partei oder
– im Anarchismus und Anarchosyndikalismus – Hauptorganisation
eine jeweils eigene Vereins- und Versorgungskultur etablierten,
in deren Rahmen die Angehörigen der Bewegungen ihr Leben organisieren
konnten. Dies ist heute – obwohl es immer wieder Neugründungsversuche
und überbliebene Traditionsbestände gibt – bei politischen
Parteien in liberalen Demokratien nicht mehr üblich. (zurück)
[Fn 15]
Hitzler / Bucher / Niederbacher
(2005), S. 22 (zurück)
[Fn 16]
Vgl. auch Yamazaki Masakazu
(2002), der im Vorwort zur deutschen Auflage seiner Studie zur Entstehung
moderner Individualität im modernen Japan ein ähnliches
Phänomens des Entstehens gesellschaftlich relevanter virtueller
Räume anhand der Handynutzung der japanischen Jugend –
die der deutschen einige Jahre voraus ist – beschreibt. (zurück)
[Fn 17]
Dies ist der Fall bei der
von Binder (2001) beschriebenen Dorfgemeinschaft. (zurück)
[Fn 18]
Hitzler / Bucher / Niederbacher (2005), S. 27(zurück)
[Fn 19]
Die Geschichte von Subkulturen
lässt sich selbstverständlich weiter zurückverfolgen.
Vgl. Gelder (2007), der Subkulturen Mitte des 16. Jahrhunderts in
London das erste Mal auftreten lässt und eine kurze Geschichte
von Subkulturen skizziert. Das neue an den modernen Subkulturen
ist, dass sie etwa seit Mitte des 20. Jahrhunderts nicht mehr ausschließlich
als abgeschlossene und deviante gesellschaftliche Gruppen gelten,
sondern zunehmend akzeptiert wurden. (zurück)
[Fn 20]
Ein aktuelles Beispiel eines
solchen unerwarteten Hits ist 3 Tage wach von Lützenkirchen.
Lützenkirchen hat Jahre lang Trance und Elektro produziert,
ohne über diese beiden Szenen hinaus zu wirken. 3 Tage wach
ist nur im Kontext dieser Szenen zu verstehen. Der Track ist eine
zustimmende, aber auch ironische Schilderung des Fetischs der Selbstverausgabung,
der Infantilisierung und des Konsums von Amphetaminen und Alkohol
in diesen Subkulturen. Trotzdem hat das Stück Charterfolg,
weite Presseresonanz und – schaut man sich beispielsweise
die Remixe und Videos dazu auf Youtube an – eine Wirkung,
die weit über die großstädtischen Szenen, für
die er zutreffend ist, hinausgeht. Vgl. Kösch (2008) und http://www.drei-tage-wach.de/.
(zurück)
[Fn 21]
Nicht zu Unrecht wird argumentiert,
dass eine ähnliche Situation vor der massenhaften Verbreitung
von Tonträgern die Musikindustrie gekennzeichnet hätte
und somit nicht wirklich neu sei. Allerdings lebt heute in der sogenannten
ersten Welt kaum noch ein Künstler oder eine Künstlerin,
welche in dieser Zeit schon Musik gemacht haben. In anderen Teilen
der Welt hat sich eine Musikindustrie, die auf dem Verkauf von Tonträgern
basierte, nicht überall herausgebildet. (zurück)
[Fn 22]
Den Anspruch, Jugendliche oder – als Ersatz für diese
– zumindest Auszubildende der Bibliothek als Expertinnen und
Experten für den Bestandsaufbau heranzuziehen, vertreten in
Deutschland mehrere Bibliotheken explizit. Bekannt sind die medien@age
(Städtische Bibliotheken Dresden, http://www.medienetage-dresden.de),
freestyle (Stadtbücherei Düsseldorf, http://www.duesseldorf.de/stadtbuechereien/standpunkte/freestyle.shtml)
und HOEB4U (Bücherhallen Hamburg, http://www.hoeb4u.de).
Es kann jedoch davon ausgegangen werden, dass dieses Vorgehen weiter
verbreitet ist. (zurück)
[Fn 23]
Dass andere Menschen Seattle als Geburtsort von Jimi Hendrix besuchen,
zeigt wie wenig ein Ort heute auf eine eindeutige subkulturelle
Identität festgeschrieben werden kann. Dies ist bei New York
noch schwieriger. (zurück)
[Fn
24] Eine Sinnhaftigkeit dieses
Wissens ist außerhalb der jeweiligen Szene oft nicht gegeben.
Der Großteil der Gesellschaft interessiert sich für subkulturell-spezifisches
Wissen oft gar nicht, deshalb ist das Szenewissen zumeist nicht
wirklich geheim, sondern teilweise nur gesellschaftlich irrelevant.
Beispielsweise ist das Wissen darüber, wie die einzelnen Spieler
einer Fußballmannschaft heißen, welche Stärken
und Schwächen sie haben und wie die aktuelle Mannschaft trainiert
im Alltag bedeutungslos. Für die Teilhabe an der Fangemeinschaft
der jeweiligen Mannschaft ist ein solches Wissen allerdings essentiell.
Die Auseinandersetzung mit solchen Informationen produziert erst
einen gemeinschaftsbildenen Diskurs einer Szene. Vgl. zu Verwendung
von szenespezifischen Informationen auch die Studie von Bettina
Fritzsche (2003) über weibliche Fans von Boygroups. (zurück)
[Fn 25]
Claus-Bachmann (2005), S. 10.(zurück)
[Fn 26]
Claus-Bachmann (2005), S.
218-226. (zurück)
[Fn 27]
Diese Problem wird in jeder ethnographischen Feldstudie über
Jugendkulturen gesondert als Problem thematisiert und ist auch in
dieser Disziplin nicht gelöst. Zumeist forschen Angehörige
oder ehemalige Angehörige einer Szene auch über diese
und publizieren deshalb zumeist Ergebnisse, welche unter anderem
Erfahrungen ihrer eigenen Jugend reflektieren. (zurück)
[Fn 28]
Dabei leben wir paradoxerweise
in einer Welt, die vom Drogengebrauch gezeichnet ist. Vgl. dazu
aktuell Dany (2008). Gleichzeitig scheint nicht nur in Bibliotheken
oft die Haltung vorzuherrschen, dass Drogen per se gefährliche
Substanzen seien, die nur zur Realitätsflucht eingesetzt und
deshalb einzig – solange es sich nicht um legalisierte Drogen
wie Alkohol, Tabak oder Koffein handelt – die Abstinenz und
die Förderung dieser Abstinenz richtig wäre. Laut der
– allerdings immer umstrittenen – Gesetzgebung mag diese
Haltung richtig sein. Ein Blick in Subkulturen verrät allerdings,
dass diese Haltung stark verkürzt ist. Drogen wären nicht
so populär, wie sie es sind, wären sie nur gefährlich
oder ein Fluchtmittel aus der Realität. (zurück)
[Fn 29]
Wobei hier einmal daran erinnert
werden soll, dass Bibliotheken einst den Grundsatz entwickelten,
dass Medienformen, die in einen Bestand aufgenommen werden, auch
in der Bibliothek genutzt werden können müssen. Das bedeutet
oft, die Abspielgeräte zur Verfügung zu stellen. Gerade
bei DVDs scheinen Bibliotheken von dieser Vorstellung allerdings
abgewichen zu sein. (zurück)
[Fn 30]
Die bekannteste Fan-Art
sind höchstwahrscheinlich die von Fans des Star Trek Universum.
Vgl. Kinder / Kretschmer / Pallmer (2004).
Ein zeitgenössisches Beispiel ist der Angry Video Game Nerd,
eine von James Rolfe dargestellte und hauptsächlich in den
USA populäre Figur einer Online-Serie von Rezensionen bzw.
Verrissen alter Konsolenspiele, die selber als Fan-Art für
diese Spiele gelten kann. Der Nerd hat „seiner“ Fan-Art
sogar eine eigene Rubrik gewidmet und sie somit offiziell anerkannt.
(http://screwattack.com/AVGN/Fan)
In einer der Folgen seiner Serie (The Wizard and Super Mario Bros.
3, April 2008, http://www.gametrailers.com/player/33161.html)
wurde überdies der Titeltrack aus Covern dieses Tracks zusammengesetzt
und mit dem Text „Thanks to the fans!“ beendet. Der
gleiche James Rolfe drehte zudem als Fan-Art für Rocky die
Dokumentation „Rocky Jumped a Park Bench“ (http://www.youtube.com/watch?v=ZVwu-UbpPUw,
http://www.youtube.com/watch?v=nBgN3EdYFP4).(zurück)
[Fn 31]
Insbesondere, da bei Weitem nicht alle Musik, die anderswo veröffentlicht
wird, jemals in Deutschland erscheint und dann der Zugang zu dieser
Musik anders nicht wirklich möglich ist.. (zurück)
[Fn 32]
Führend ist hier Jamaika,
dass als Bezugspunkt für die gesamte Reggae- und Dancehallszene
gilt, die in Deutschland extrem groß ist und beständig
weiter wächst. Hinzu kommt eine wachsende Szene für Soca,
welches sich auf Trinidad und Tobago bezieht. Die Szene für
Reggeaton, die sich auf Puerto Rico und Dominikanische Republik
bezieht, ist bisher vergleichsweise klein, dafür allerdings
relativ stabil. (zurück)
[ Fn 33] Zu Kwaito
vgl. Mhlambi (2004). (zurück)
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