| Endzeit
von Uwe Jochum (info)
Am Anfang der amerikanischen Komödie
„Ghostbusters“[Fn1]
gibt es eine Szene, die in der
New York Public Library (NYPL)[Fn2]
spielt. Dorthin nämlich werden die
Geisterjäger gerufen, weil es im Keller der Bibliothek spukt:
Da kramt eine ältere Dame von durchaus freundlichem Ansehen
in den Schränken mit den Katalogzetteln und will partout nicht
gestört werden; stört man sie aber, verwandelt sie sich
in ein schauerliches Monster, das die armen Geisterjäger in
die Flucht schlägt und einen klebrigen grünen Schleim
auf Katalogzetteln und Geisterjägern zurückläßt.
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Lang vor den Ghostbusters: Die New York
Public Library auf einer Ansichtskarte , schätzungsweise
aus dem frühen 20. Jahrhundert.
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Was das mit Bibliothekskultur zu tun hat?
Allerhand. Da dreht ein amerikanischer Regisseur einen
Film, der gleich zu Anfang die Stufen eines klassizistischen Gebäudes
mit löwenbewährtem griechischen Säuleneingang nimmt,
um sofort die beeindruckende Aura des Gebäudes und seines Interieurs
aufzusaugen — nur um diese Aura dann im Allerheiligsten, dort,
wo die Bibliothekare über den Karteikarten träumen, zu
zerbrechen und mittels einer älteren Monsterdame ein heilloses
Katalogdurcheinander anzurichten. So etwas funktioniert nur, wenn
die Aura wirklich vorhanden ist und dann auch zerbrochen werden
kann, um in diesem Zerbrechen entweder Platz für eine Tragödie
oder Platz für eine Komödie zu schaffen. Daß Ghostbusters
sich für die Komödie entscheidet, heißt also gerade
nicht, die Aura der New York Public Library geringzuschätzen,
sondern ganz im Gegenteil die Aura dieser ehrwürdigen Bibliothek
so bierernst zu nehmen, wie es nur irgend geht, um alsdann am neuralgischen
Punkt dieser auratischen Einrichtung, dem Katalog, mit dem Schabernack
zu beginnen.
Nun wird man die Aura der NYPL kaum aus dem klassizistischen
Gebäude mit griechischen Säulen oder aus ihrer Lage an
der Fifth Avenue oder aus den inzwischen mit Computern vollgestopften
tempelartigen Lesesälen alleine ableiten wollen. Vielmehr kommt
hier zum Tragen, was das Kennzeichen des amerikanischen Bibliothekswesens
überhaupt ist: daß die amerikanischen Bibliotheken im
19. Jahrhundert als Einrichtungen entstanden sind, die, vom Bürgertum
getragen und finanziert, ebendiesem Bürgertum und darüber
hinaus allen Interessierten einen Ort boten und bis heute bieten,
an dem man seinen eigenen geistigen Interessen nachgehen kann oder
durch fleißiges Studium sein berufliches Fortkommen zu befördern
sucht.
Man muß daher den klassizistisch-griechischen
Ernst des Gebäudes der NYPL wirklich ernst nehmen: Es geht
um nichts Geringeres als um die politische Selbstbestimmung der
Bürger einer Polis, die sich nicht in einem vierjährigen
Wahlrhythmus erschöpft, sondern sich all der Sachen annimmt,
die eine politische Gemeinschaft zur Gemeinschaft machen; und dazu
gehört nicht nur, daß man sich seiner eigenen ökonomischen
Basis versichert, sondern auch, daß man sich seiner eigenen
geistigen Herkunft bewußt bleibt und durch die Bereitstellung
geeigneter Instrumente die Verankerung der Gegenwart in der Vergangenheit
immer wieder absichert.
Sucht man nun eine Antwort auf die Frage, wodurch
eine Bibliothek zum Instrument der Vergangenheitsverankerung wird,
muß man den Blick nur darauf richten, daß die Bibliothek
als ein massives Gebäude im Weichbild der Stadt ihren festen
Ort hat und daß an diesem konkreten Ort vieles von dem zu
finden ist, was die umgebende Stadt und politische Gemeinschaft
den nachfolgenden Generationen hinterlassen wollte. Das aber sind
keine flüchtigen Informationen, sondern sehr materielle Dokumente,
die Platz benötigen.
Wenn die Bibliotheken daher in ihren Regalen solche
materiellen Zeichenträger anhäufen, dann häufen sie
im wahrsten Sinne des Wortes Vergangenheit an und werden in dieser
unablässigen Akkumulation allmählich zu Monumenten der
Vergangenheit. Und genau das, ein Monument der Vergangenheit zu
sein, macht die Aura der Bibliotheken aus: Es ist eine Aura, die
aus der Differenz zwischen unserem geschäftigen Alltag und
der akkumulierten Vergangenheit entspringt. Eine Aura, die all unsere
oberflächlichen Selbstverständlichkeiten, die wir nicht
reflektieren, weil sie einfach und irgendwie funktionieren, negiert
und uns auf eine Vergangenheit hinweist, die sich so gar nicht von
selbst versteht und zuallererst in einem mühsamen Prozeß
geistig angeeignet werden muß, uns aber immerzu als eine fremde
Masse gegenübersteht, die allein schon durch ihre massive Fremdheit
unseren funktionierenden Alltag in Frage stellt.
Bibliotheken also als Monumente der Vergangenheit,
als, im Wortsinne, "Denk-Mäler" und "Denk-Zeichen"
für etwas, das anders ist als wir, uns aber aufgegeben ist,
weil wir wissen, daß wir in unserer kurzen Gegenwart von diesen
lange schon bestehenden Monumenten herkommen und nur zu uns finden,
wenn wir uns an diesen Monumenten abarbeiten. Wenn wir irgendetwas
Sinnvolles bei dem Wort "Kultur" denken wollen, dann kann
es nur dies sein: daß wir zu dem werden, was wir sind, wenn
wir uns unserer Vergangenheit annehmen und sie auch wirklich als
unsere Vergangenheit pflegen und in Ehren halten. Wir müssen
dazu die Vergangenheit weder in ihrem Umfang vollständig überblicken
noch müssen wir sie im Detail verstanden haben. Wir müssen
lediglich wissen, daß und wo sie zu finden ist – und
für denjenigen Teil unserer Vergangenheit, der sich auf Zeichenträgern
findet, ist dieses Daß und Wo durch die Bibliothek markiert.
Die Sponsoren, Gründer und Erbauer der NYPL hatten das verstanden,
als sie die Bibliothek mitten in Manhattan lokalisierten und mit
viel Geld für Bestände sorgten, die heute mit 42 Millionen
Dokumenten und Sammlungsstücken aller Art, darunter 15 Millionen
Bücher, genau jene beeindruckende Masse Vergangenheit bilden,
von der hier die Rede ist.
Freilich ist die Vergangenheit auch eine Last. Sie
drängt sich in unseren Alltag mit der steten Ermahnung, ebendiesen
Alltag in seiner flinken Oberfläche nicht allzu ernst zu nehmen;
sie stellt unser einfaches Hier-Sein in Frage und weist auf ein
Dort-Sein hin, das viel reichhaltiger ist als alles Hier und Jetzt
und das man, will man es haben, nur mit viel Mühe haben kann.
Sie beschämt uns mit der Erkenntnis, daß noch die neueste
Mode, sei sie nun ökonomisch, künstlerisch oder politisch,
wenig mehr ist als die Wiederkehr eines alten Hutes, was wir nur
deshalb nicht bemerken, weil wir zu sehr im Alltag leben und unsere
Bildung immer und überall an historischer Amnesie leidet. So
etwas läßt man sich ungern sagen, und seit der im Altertum
praktizierten damnatio memoriae ist daher die Auslöschung der
Vergangenheit ein probates Mittel, die Last des Unangenehmen, das
diese Vergangenheit darstellt, loszuwerden. Am schönsten wäre
es natürlich, man könnte die Vergangenheit in einer Weise
loswerden, die es erlaubte, sie bei Bedarf wieder herzuzaubern.
Wir bräuchten dann kein schlechtes Gewissen mehr haben, wenn
wir die Vergangenheit „wegräumen“, und wir müßten
uns andererseits nicht Tag für Tag unsere zeitgenössische
Flachheit eingestehen. Tatsächlich gibt es seit einigen Jahrzehnten
ein Zauberwort, das genau mit diesem Trick lockt; das Zauberwort
lautet „Computer“, und seine neueste Gestalt kommt als
Internet daher.
Im Bibliothekswesen hat man den Computer gegen
Ende der 1960er und am Beginn der 1970er Jahre entdeckt. Das war
die hohe Zeit des Reformierens, als man überall daranging,
sich von überflüssigen Vorurteilen zu trennen, um desto
ungestörter sich den Entwürfen einer viel besseren Zukunft
hingeben zu können. So fand man im Biedermann den Altnazi,
unter den Talaren der Professoren den Muff von tausend Jahren, in
tradierten Moralkodizes triebfeindliche Zumutungen und im Bibliothekswesen
einen Altbestand, der niemals ausgeliehen wurde und allmählich
einstaubte. Da kam der Computer gerade recht, der staubfreien Umgang
mit etwas erlaubte, was man vorher noch gar nicht gekannt hatte:
mit Informationen nämlich, die handlicher als Bücher und
ökonomisch rentabler sein und in jedem Fall ganz mühelos
auf Abruf bereitstehen sollten. Die Bibliotheken wurden daher am
Ende der 1960er Jahre zu „Informationssystemen“[Fn3],
die der modernen Industriegesellschaft zu Diensten sein sollten,
um mittels bereitgestellter Informationen die auf allen gesellschaftlichen
Ebenen angesagten Reformen zu betreiben.
Man muß hier nur das Schlagwort von der
„Industriegesellschaft“ durch das der „Informationsgesellschaft“
ersetzen, um sich in der gegenwärtigen Debatte wiederzufinden.
Denn sobald, bei fortschreitender Entwicklung der Produktionsmittel,
die reale ökonomische Basis der Gesellschaften aus dem Blick
gerät und man wirklich zu meinen beginnt, Gesellschaften erhielten
sich durch Bearbeitung, Transmission und Speicherung von Informationen,
macht es Sinn, in der „Information“ die realökonomische
Basis von Gesellschaften zu sehen und folglich jene Einrichtungen,
die sich mit der Zurichtung von Informationen beschäftigen,
für grundlegend zu halten.
Natürlich unterliegt der so konzipierte
Begriff der Information dem naturalistischen Mißverständnis,
daß Informationen irgendwie von gleicher Realität wie
die Bodenschätze der guten alten Industriegesellschaft oder
die physikalischen Entitäten Masse und Energie seien.[Fn4]
Davon kann selbstverständlich keine Rede
sein, denn Informationen sind, was ihre physische Realität
anbelangt, Daten, die sich auf Datenträgern befinden; und jenseits
dieser physischen Realität sind Informationen Zeichen, die
nur deshalb Zeichen sind, weil es Menschen gibt, die sie als Zeichen
entziffern können. Daß man dieses Mißverständnis
nicht recht wahrhaben will[Fn5],
liegt nicht einfach in einem intellektuellen Unvermögen, sondern
daran, daß das naturalistische Mißverständnis die
Bibliotheken als Informationseinrichtungen ungeheuer aufwertet:
Sie dürfen sich nun als realgesellschaftliche
Grundlageninstitutionen fühlen, ohne die nichts mehr geht;
und das, was da gehen soll, ist die Ermöglichung einer besseren
Zukunft überhaupt, deren Realisierung von den richtigen Informationen
und also von den informationsbewegten und -bewegenden Bibliotheken
abhängt.
Kurz: Bibliotheken sind nun nicht einfach nur unverzichtbare
Kultureinrichtungen, sondern betreiben massiv gesellschaftliche
Zukunftsermöglichung durch Bereitstellung dringend benötigter
Informationen.
Das macht verständlich, warum Bibliotheken sich
seit den 1970er Jahren als Avantgarde der Informationsgesellschaft
zu verstehen begonnen haben und so begeistert zunächst ihre
Kataloge, dann ihre Geschäftsgänge und inzwischen auch
ihre Bestände den informationstechnischen Erfordernissen unterwerfen
und also digitalisieren, was das Zeug hält. Jeder dieser Digitalisierungsschritte
ist ein Schritt in eine Zukunft, in der alles besser werden soll,
und so darf sich die Digitalisierung der Bibliotheken als Antizipation
dessen verstehen, was durch digitale Informationen gesamtgesellschaftlich
erst noch erreicht werden soll: eben eine bessere Zukunft.
Der Mechanismus funktioniert selbst dann noch,
wenn die alte Hoffnung auf eine utopische Umgestaltung der Gesellschaft
an Ölpreisschocks oder geplatzten Börsenblasen zuschanden
wird und man sich statt dessen mit der Sicherung des Wohlstandes
oder des „Standorts Deutschland“ begnügen muß.
Denn was seither angstbesetzt an politischer „Durchwurstelei“
betrieben wird, versteht sich immer noch als Ermöglichung von
Zukunft, wenn es auch längst nicht mehr ums große Ganze
und Utopisch-Allgemeine geht. Und also braucht es immer noch Informationen
und Bibliotheken als Netzwerke[Fn6]
, die ebendiese zukunftsgestaltende Durchwurstelei mit all
jenen Daten versorgen, denen man Veränderungsrelevanz zuschreibt,
um angesichts der Datenfülle nicht mehr recht zu wissen, was
zu tun sei.
Bei all dem bleibt die Vergangenheit freilich auf
der Strecke und mit ihr die Kultur, sofern sie bibliotheksrelevant
ist. Die allfällige Digitalisierung nämlich sonnt sich
jeden Zeitungstag aufs Neue darin, nun diese oder jene Bibliothek
im Ganzen oder dieses oder jenes seltene Manuskript im Besonderen
digitalisiert und damit für die Zukunft gesichert und weltweit
zugänglich gemacht zu haben. Die Digitalisierung nämlich
unterwirft alles, was sie digitalisiert, einer instantanen Verfügbarkeit,
welche indessen nur unter dem proklamierten Aspekt der Zukunftssicherung
ihre unbefragte Bedeutung erhält.
Denn was soll es heißen, daß man nun ein
ziemlich abseitiges, aber irgendwie schönes und in irgendeinem
unbekannten Kontext auch sicherlich hochbedeutsames Blatt einer
mittelalterlichen arabischen Handschrift eines nordafrikanischen
Grammatikers mit DFG- oder anderen Mitteln endlich ins Internet
eingestellt hat?
Es heißt, genau besehen, nichts. Denn um etwas
zu heißen, müßte der Kontext ausgedeutet werden,
in dem besagte Handschrift steht, d.h. es müßte so etwas
wie Bildung vermittelt werden, in deren Licht die Handschrift dann
die ihr zukommende Bedeutung entfalten kann. Eben daran aber ist
die Digitalisierung als solche nicht interessiert.
Sie begnügt sich damit, die alte Handschrift
prinzipiell und überhaupt weltweit verfügbar zu machen
und entkleidet sie damit ihres Kontextes, der doch allererst die
Spur legt, in deren Verfolgung man so etwas wie eine Ahnung vom
kulturellen Wert der Handschrift gewinnen könnte. Ohne diese
Spur aber bleibt die Handschrift weniger ein Unikat als ein Unikum,
das im höchsten Fall einen ästhetischen Reiz vermittelt,
nicht anders als die afrikanischen Masken, die sich wohlmeinende
Bürger in ihr Wohnzimmer stellen, ohne eine Ahnung davon, daß
sie damit einem Voodoo-Zauber die Tür geöffnet haben.
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Massive Insel im Meer aus Beton: Die New
York Public Library.
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Auf diese Weise entsteht im Internet in der Tat ein
gigantischer Pool von Daten aller Art, der im selben Maß,
wie er alles speichert und zugänglich macht, ebendieses Alles
kulturell zum Nichts schrumpft. Man bemerkt das nur nicht, weil
man sich der Zauberkraft des neuen Mediums so gerne hingibt, die
darin liegt, daß sie im Bedarfsfall alles wiederzufinden verspricht,
was das kulturelle Herz begehrt. Lassen wir einmal beiseite, daß
schon dieses Versprechen angesichts der realen Retrievalprobleme
in großen Datenbanken ein leeres Versprechen ist – selbst
wenn es so wäre, daß man alles finden könnte, was
auch immer man wollte: Man könnte mit 99 Prozent davon nichts
anfangen, weil es den eigenen kulturellen Horizont übersteigt.
Bleibt man aber innerhalb des bekannten und verstandenen kulturellen
Horizonts, bringt all die schöne Datentechnik nicht mehr an
den Tag, als man schon kannte, nur daß es nun auf technisch
neue Art an den Tag kommt.
Und wozu das alles? Das ist die Frage. Sie ist nun
nicht mehr dadurch zu beantworten, daß man auf die massiven
Vorteile der bibliothekarischen Informationstechnik verweist oder
sich geradezu kindlich darüber freut, daß der Datenpool
des Internets stetig wächst. Die Antwort liegt nicht auf der
Ebene einer solchen Empirie, sondern auf der Ebene der Hoffnungen
und Versprechungen, die über die digitale Technik vermittelt
werden.
Diese Hoffnungen lauten ganz allgemein – man
kann das nicht oft genug wiederholen –, daß die digitale
Technik die gesellschaftliche Veränderungstechnik schlechthin
sein werde; und diese Hoffnungen zeigen sich im kleinen Soziotop
des Bibliothekswesens in dem Gedanken, dank des Einsatzes von Digitaltechnik
zur gesellschaftlichen Avantgarde zu mutieren und den Ruch des Verstaubten
endlich loszuwerden. So gesehen handelt es sich bei der Digitaltechnik
um eine Gestalt gewordene Hoffnungsmaschine, die an die Stelle,
an der man bisher nur glauben durfte, miniaturisierte Schaltkreise
und lenkbare Datenströme setzt und damit suggeriert, man könne
die Hoffnung Realität werden lassen und also Zukunft wirklich
selbst gestalten.
Es wundert daher nicht, daß die Durchsetzung
des Computers im Bibliothekswesen früh schon die Sorge um das
„Ende der Bibliotheken“ aufkommen ließ.[Fn7]
Damit war freilich nicht gemeint,
daß der Computer das Ende der Bibliotheken sein würde,
sondern umgekehrt: das Festhalten am tradierten Bibliothekstypus,
am Haus aus Stein und Beton und dem vielen Papier wird zum Untergang
der Bibliotheken führen.
Seither leben wir bibliothekarisch in einer
Endzeit, die mit der Drohung, das Ende der alten Bibliotheken aus
Stein und Papier sei gekommen, diese nicht zu erhalten, sondern
abzuschaffen versucht, um sie durch neue digitale Bibliotheken zu
ersetzen.
Daß wir dabei nur gewinnen und nichts
verlieren könnten, ist die handlungsleitende Illusion, die
all jene umtreibt, die sich für Pragmatiker halten und doch
Utopisten sind. Denn der digitale Umbau der Bibliotheken kürzt
aus diesen die Vergangenheit heraus und betreibt mit ihrer Demonumentalisierung
zuletzt ihre Abschaffung und damit ihr wirkliches Ende. Bibliothekskultur
kann man das nicht nennen.
Fußnoten
[Fn 1]
siehe: http://de.wikipedia.org/wiki/Ghostbusters. (zurück)
[Fn
2]
Material zur NYPL findet man bequem übers Internet. Etwa hier:
http://de.wikipedia.org/wiki/New_York_Public_Library; oder hier:
http://www.nypl.org/ (zurück)
[Fn
3]
siehe etwa den Band "Bibliothekswissenschaft. Versuch einer
Begriffsbestimmung in Referaten und Diskussionen bei dem Kölner
Kolloquium (27.--29. Oktober 1969). Hrsg. von Werner Krieg. Köln:
Greven, 1970. (zurück)
[Fn
4]
Zu diesem Mißverständnis
jetzt Janich, Peter: Philosophie in einer wissenschaftlich geprägten
Welt. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 2006. (zurück)
[Fn
5]
Im Bibliothekswesen ist Rafael Capurro hier die große Ausnahme.
Siehe dessen Beitrag in dem sonst deprimierenden Band "Conceptions
of library and information science." Ed. by Pertti Vakkari
and Blaise Cronin. London [u.a.]: Taylor Graham, 1992. (zurück)
[Fn
6]
"Netzwerk Bibliothek" lautet denn auch, voll im Trend,
das Motto des 95. Deutschen Bibliothekartages im Jahre 2006. (zurück)
[Fn
7]
siehe etwa James Thompson: The end
of libraries. London: Bingley 1982. (zurück)
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