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A nice place to be…. The Municipal Library of Luton

Ein kurzer Ausflug in eine sinnliche Bibliothek

von Rainer Strzolka (info)

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Werbetafel Luton Central Library
Abb.1 Werbetafel Luton Central Library

 
Eventuell ist das deutsche Bibliothekswesen nicht ganz so verrottet, wie Klaus Graf es in seinem Posting in Inetbib am 15. März 2007 vermutete. Aber es ist sicherlich verbesserungsbedürftig. Es ist vielfach phantasie- und orientierungslos, Spielball von ungebildeten Provinzpolitikern und wir vernachlässigen unsere Aufgabe, unsere Bibliotheken als einen sinnlichen Ort der Begegnung von Menschen mit anderen Menschen zu gestalten. Eine Bibliothek muss keine „Volksbespassungsanstalt“ sein, und auch kein reiner Copyshop für die Informationsbedürfnisse der ortsansässigen Wirtschaft. Eine Bibliothek kann ein Ort sein, der alle Sinne anspricht.

Viele Bibliothekare arbeiten bei uns in Deutschland konzeptionslos und verernstet, empfinden digitale Medien als Bedrohung oder – mindestens genauso verfehlt - als allumfassende Rettung des Berufsstandes. Andere halten die sofortige Erfüllung auch der absurdesten Nutzerwünsche für Kundenorientierung. Eine zielgerichtete, konzeptionelle und nachhaltige Bibliotheksarbeit ist so nicht möglich. Insbesondere der Irrglaube, im Internet eine neue Zuflucht für die eigene Arbeit zu finden, sorgt dafür, dass Bibliothekare ihre ureigensten Arbeitsfelder vernachlässigen. Als Begründung wird vielfach die desolate finanzielle Situation genannt.

Ein Blick ins Ausland zeigt bisweilen, wie auch unter schwierigen Bedingungen kreative bibliothekarische Arbeit aussehen kann. Nehmen wir das Beispiel Luton, eine Stadt, die ich auf meinen Vortragsreisen in England kennenlernte. In der Region East of England (Bedfordshire), nahe London gelegen, hat die Stadt massive wirtschaftliche Probleme. Insbesondere die Schließung der Vauxhall Automobilwerke, bei denen bis zu 35.000 Menschen beschäftigt waren, sorgte für einen starken Anstieg der Arbeitslosigkeit in dieser Stadt von ca. 180.000 Einwohnern. Die Bausubstanz der Stadt ist in weiten Teilen stark heruntergekommen, oder von gesichtslosen Neubauten dominiert. Eine insgesamt wenig anheimelnde Atmosphäre für Kulturarbeit.

Bushaltestelle in Luton
Abb.2 Bushaltestelle in Luton

Eine Bibliothek kann hier einen Kondensationskern für alle möglichen Aktivitäten bilden. Die Bibliothek hat sich in der Nähe des städtischen Einkaufszentrums als kultureller Mittelpunkt etabliert und auch innerhalb der Fußgängerzone für leicht erreichbare Parkplätze gesorgt, die unter anderem die Benutzung durch körperlich Behinderte stark erleichtern.

Parkhauseinfahrt der Luton Central Library
Abb.3 Parkhaus der Luton Library

Die Stadtbibliothek Luton hat eine Hauptstelle und 7 Zweigstellen (Bury Park, Leagrave Lewsey, Marsh Farm, Stopsley, Sundon Park, Wigmore)[Fn1]. Die Informationsvermittlung erfolgt während der Öffnungszeiten direkt vor Ort oder elektronisch auf Distanz, zudem ist die Bibliothek Teil des nationalen Enquire Services, der rund um die Uhr Auskunftsleistungen erbringt.[Fn2]

Die Beratungsleistungen gehen dabei erheblich über das hinaus, was eine Bibliothek in Deutschland zu leisten bereit ist – Basis für die Arbeit ist die Idee der Community Information Services, die in England eine Tradition haben.

Eine Besonderheit ist das bibliothekseigene Theater. In diesem werden klassische und moderne Inszenierungen bis hin zum Boulevardstück gezeigt und musikalische Darbietungen mit teils international bekannten Stars veranstaltet.

Programm des Library Theatre
Abb.4 Programm des Library Theatre

Programm des Library Theatre
Abb.5 Programm des Library Theatre
Plakat des Library Theatre "Summer Holiday"
Abb.6 Plakat des Library Theatre

 

Die Werbung für die Bibliothek zeigt keinerlei Berührungsängste mit Personen, die nicht gerade zur klassischen Bibliotheksklientel gehören.

Poster "I don't do book" - Werbung der Luton Libraries
Abb.7 "I don't do book" - Werbung der Luton Libraries

Nicht zuletzt betreibt die Bibliothek eine Bar. Während es in Deutschland zahlreiche Gründe gibt, als Bibliothekar zum Alkoholiker zu werden, sind die Briten kreativer und nutzen die Anziehungskraft des Giftes: die besten Cocktails der Stadt gibt es in der Bibliothek zu trinken.

Schauen wir ins Ausland – es gibt dort viel für uns zu lernen.


Fußnoten

[Fn 1] www.luton.gov.uk/library/ (zurück)

[Fn 2] www.peoplesnetwork.gov.uk/enquire/index.html (zurück)

 

Alle Abbildungen: Rainer Strzolka

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Inhalt 01/02 - 2007
Editorial
Schwerpunkt
Stadt in der Bibliothek in der Stadt
 
Stadt,Raum,Bibliothek: Olaf Eigenbrodt
Jubelhochstiege...: Ben Kaden und Manuela Schulz
Die Stadtbibliothek Reims: Elisabeth Simon
A nice place to be...: Rainer Strzolka
The Bridge Library in Glasgow: Wendy Axford
The Milleniums Library, Norwich, UK: Michael Wells
Beiträge
Wann ist Bibliotheksarbeit sozial?: Doreen Lutze
Soziale Bibliotheksarbeit...: Hans Elbeshausen
Library Services to disadvantaged people: Jonna Holmgaard Larsen
"Hinter Gittern"...: Ulrike Schönherr
Library Student Journal: Eli Guinnee
Das Beste aus beiden Welten: Boris Jacob und Jin Tan
Fragen wird immer schöner: Boris Jacob und Bastian Zeinert
Träumt ihr von virtuellen Schafen?: Beta Lubitsch
Biblioblogosphärenklänge: Ben Kaden/Maxi Kindling/Manuela Schulz
Rezensionen
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Peter Janich: Was ist Information?
Peter Just: E-Books für Bibliotheken
Madeleine Lefebvre:
The Romance of Libraries
Paul S. Ulrich:
Die Bibliothek als öffentlicher Ort - 1
Paul S. Ulrich:
Die Bibliothek als öffentlicher Ort - 2

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